Veranstaltungen: Rückblick

Die Kirchlichen Dienste auf der MEDIZIN 2017

Vernissage HIRSCH-ART am 27.01.2017

Heidi Frank, Melody against Gravity

Martin Heubach bei seiner Begrüßung

© Ulrich Deinhardt (Kirchliche Dienste Flughafen und Messe Stuttgart)

M. Heubach beim Interview mit Gaby Maier

Heidi Frank, Melody against Gravity, "lockte" mit ihrem Gitarrespiel und ihrer samtweichen Stimme die Interessierten in das Forum der Kirchen.
Diakon Martin Heubach hieß die zahlreichen Gäste mit dem typischen, allumfassenden schwäbischen Grußwort "Grüß Gott" willkommen. Obwohl er ja eigentlich keinen Einzelnen begrüßen wollte, freute ihn sehr die Anwesenheit von Vertretern der Messegesellschaft und der Polizei. Noch mehr erfreute es ihn, dass nunmehr die dritte Vernissage im Forum der Kirchen stattfände.
Als Überleitung zum Thema der Vernissage erzählte er die Geschichte vom Heiligen Hubertus, dem auf der Jagd ein Hirsch mit goldenem Kreuz in seinem Geweih begenet sei.
Dann stellte er die Künstlerin Gaby Maier vor, die hauptberuflich im Bereich Messe und Events arbeitet. Im Interview verriet Gaby Maier, dass sie seit 2004 als Künstlerin aktiv sei und seit 2011 ein eigenes Atelier in Aidlingen habe. Malen und Zeichnen hätten sie aber bereits als Kind begeistert und als Autodidaktin habe sie sich nach und nach viele Maltechniken angeeignet. Auf die Frage, ob sie sich als professionelle Künstlerin verstehe, antwortete sie schlagfertig: "Künstler sind wir eigentlich alle - jede und jeder auf seine Art. Und das Hobby hört da auf, wo das Finanzamt mit ins Spiel kommt".

 

 

Acryl auf schwarzer Leinwand

Collage

Gaby Maier erläutert ihre Weke

Bei der Vorstellung ihrer Bilder sagte Gaby Maier, sie widme sich seit 2013 mit Leidenschaft ihrer Serie HIRSCH-ART. Diese Serie verbinde für sie die Liebe zur Natur, die Nähe zum Schönbuch, Alpenstyle und Moderne. Es bereite ihr "tierisches Vergnügen", die stolzen Hirsche und das Rotwild durch verschiedene Bildkompositionen auf der Leinwand in Szene zu setzen - von gegenständlich bis abstrakt. Basis ihrer Arbeiten sei die Acrylfarbe, wie beim "Hirschen auf schwarzer Leinwand" deutlich werde, dessen prächtige und bildschöne Wirkung durch das fürs Geweih verwendete Blattgold verstärkt werde. Sie setze aber für ihre Werke auch Kohlenstifte, Pigmente, Stoffe, Pastellfarben oder gar Quarzsand ein, was bei der Collage sichtbar sei. Sie schloss mit den Worten: "Ich gehe gern im Wald spazieren; das warme Ateleier ist für mich ein Rückzugsort, der dafür sorgt, dass ich geerdet bleibe. Mein Erfolg bestätigt meinen eingeschlagenen Weg; aber Erfolg ist das eine, Spaß das andere!" 

 

 

 

 

Blick in das (noch leere) Forum der Kirchen

Die Künstlerinnen von Musik und Malerei - vereint auf einem Bild

Weitere Eindrücke von den Werken vermittelt der Blick ins noch leere Forum der Kirchen.
Heidi Frank begleitete die Vernissage mit ihren zum Nachdenken anregenden Songtexten, wie zum Beispiel mit "Painter of the Sky".

Die Bilder können vom 27. Januar bis zum 6. März 2017 an Messetagen im Forum der Kirchen betrachtet werden.

 

Quellen:
Ausstellungskarte zur Vernissage
Website von Gaby Maier
eigene Notizen

Fotos und Text:
Ulrich Deinhardt (Kirchliche Dienste Flughafen und Messe Stuttgart)

 

 

Die Kirchlichen Dienste auf der CMT 2017

Pilgerwege

Jakobsweg- & Martinuspilger-Wegzeichen

Informationen von Fachleuten zu Jakobs- und Martinuswegen
im Forum der Kirchen:
täglich Bildpräsentationen ab 10.00, 13.00 und 15.30 - 18.00 Uhr
mit Hans-Jörg Bahmüller, Winnenden u.a.

Am Samstag, 14.01., 13:00  und Sonntag, 15.01., von 16.00 - 17.00 Uhr:
Jakobs-, Martinus- und Diakoniepilgerwege in Württemberg
Präsentation mit Beate Steger
im Multivisionsraum in Halle 9, siehe auch Fahrrad- und ErlebnisReisen. 
 
Nähere und detailliertere Informationen zum Herunterladen:
Pilgerwege - Informationen zu Veranstaltungen im Forum der Kirchen
(75 kB)
Fahrrad- und ErlebnisReisen - Programm für den 14. und 15.01.2017 (1,5 MB)

 

 

Aufatmen – Urlaub für die Seele
So präsentiert sich im Jahr 2017 der Auftritt der Diözese Rottenburg Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Rahmen
der Freizeit-, Motor- und Tourismusmesse CMT 
in Halle 6/B30
und Halle 9/B66 (nur am 14. und 15.01.2017)

Plan zum Herunterladen (370 kB)

CMT - Empfang der Kirchen am 19.01.2017

Diakon Karl-Heinz Jaworski, Fachbereichsleiter Kirche in Freizeit und Tourismus des Evangelischen Bildungszentrums Württemberg, begrüßte die Ehrengäste und zahlreichen Gäste beim Empfang der der beiden großen Kirchen in Württemberg auf der CMT in der Messe Stuttgart. Er führte in die Thematik „Aufatmen - Urlaub für die Seele“ ein und moderierte den Empfang.

Monika Bucher, Vorsitzende der katholischen St. Martinus-Gemeinschaft in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ging in ihrem Grußwort auf die Bedeutung des Wortes „Aufatmen“ ein. Beim Pilgern sei das Aufatmen bereits im Angebot enthalten. Pilgern hieße, sich auf den Weg zu machen und auf diesem Weg Menschen, Orte und Begegnungen wahrzunehmen, vor allem aber auch Gottes Spuren. Dabei gehe es auch darum zu teilen. Denn für Menschen in Not könne Aufatmen auch bedeuten: ein warmes Bett, Essen und Kleidung, offene Arme und ein offenes Ohr zu finden. Monika Bucher verwies auch auf das Angebot „Samstagspilgern“ der St. Martinus-Gemeinschaft. In den Monaten April bis Oktober werde z.B. mit ausgebildeten Begleitern auf dem Martinusweg quer durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart gepilgert ( www.martinuswege.de bzw. www.martinuswege.eu ).

 

 

Oberkirchenrat Professor Dr. Ulrich Heckel, Evangelische Landeskirche in Württemberg, verwies in seinem Grußwort darauf, dass viele Menschen heutzutage auf Sinnsuche und auf der Suche nach Entschleunigung seien. Gerade im Urlaub versuchten sie, ihren Alltagsstress abzubauen, ihre Seele zu pflegen und Selbstreflektion zu üben. Dieses Aufatmen sei eine spirituelle Erfahrung und für viele habe das auch mit Gott zu tun. Daher arbeite die Evangelische Landeskirche - auch in Zusammenarbeit mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart - an drei großen Projekten.

So sei eine Autobahnkirche an der Raststätte Sindelfinger Wald geplant - ein Ort der Ruhe und des Aufatmens nahe beim hektischen Autobahnverkehr.
Eine Karte solle dazu anregen, evangelische Klosterorte in Württemberg, wie z.B. Maulbronn, Bebenhausen und Hirsau, zu besuchen und als Urlaubsziele zu entdecken. Einen Flyer für die CMT 2018 stellte er dazu in Aussicht.

Im Nationalpark Nord-Schwarzwald böte schließlich das „Netzwerk Kirche“ Gottesdienste, Lebenshilfe, Seelsorge, Wander- und Pilgerführungen an.

 

 

© Ulrich Deinhardt (Kirchliche Dienste Flughafen & Messe Stuttgart)

Dr. Christian Kurrat

Dr. Christian Kurrat, FernUniversität Hagen (Institut für Soziologie, Soziologische Gegenwartsdiagnose), stellte zu Beginn seines Vortags über das Pilgern auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Nordwest-Spanien die Frage in den Raum: „Was treibt Menschen an, für eine Zeit lang aus dem bequemen Alltag auszusteigen und sich auf eine lange und anstrengende Reise zu Fuß zu machen?“

Erfahrungsgemäß sei die Zahl der Jakobspilger in den Heiligen Jahren besonders hoch, insgesamt sei jedoch die Zahl der Pilger Jahr für Jahr stetig gestiegen. Mit 280.000 Pilgern im Jahr 2016 sei ein absoluter Höchststand erreicht worden, der den Wert des Heiligen Jahres 2010 sogar übertreffe. Das bekannte Buch von Harpe Kerkeling und der amerikanische Film „The Way“ (2011) hätten signifikante Auswirkungen auf die Pilgerzahlen, gerade auch bei deutschen Jakobspilgern. Damit einhergehend sei auch die Zahl der Herbergen längs des Weges von weniger als 100 im Jahr 1990 auf derzeit etwa 550 gestiegen.

In seinem soziologischen Forschungsprojekt habe sich herausgestellt, dass Pilgern als Lösung in der Not verstanden werde. Besondere Merkmale des Pilgerns seien die Auseinandersetzung mit Natur und Körperlichkeit, die Interaktion in den Herbergen sowie die synchrone bzw. diachrone Vergemeinschaftung.

Im Rahmen der Forschungsarbeit seien Lebensgeschichten der Pilger erfasst und ausgewertet worden. Dabei hätten sich fünf biografische Auslöser herauskristallisiert:

Bilanzierung (Ende des Lebens in Sicht, Rückschau, Bewertung und Einordnung von Lebensereignissen), Krise (Erschütterung durch ungeplantes Ereignis in naher Vergangenheit (z.B. Tod einer nahestehenden Person)), Auszeit (extreme alltägliche Anforderungen, Stress, Sinnkrise), Übergang (Ende einer vorgesehenen Lebensphase (z.B. Studienabschluss)), Neustart (selbstgewählter Bruch im Lebenslauf (z.B. eigene Kündigung)).

Diese gingen einher mit entsprechenden Kommunikationsformen während der Pilgerschaft, mit unterschiedlicher (Be-)Deutung der eigenen Körperlichkeit und mit verschiedener Einbindung des heimischen sozialen Umfeldes, wie Dr. Kurrat anschaulich erläuterte und dann schlussfolgerte: „Pilgern ist ein biografisches Programm!“

 

 

Stefanie Wahle-Hohloch, Hauptabteilung IV (Freizeit und Tourismusseelsorge) der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dankte mit humorigen Worten den Vortragenden für ihre Beiträge und der jungen Saxophonistin Anne Siebrasse für ihre musikalische Begleitung durch den Empfang. Gerade beim letzten Musikstück, einer Cello-Suite von J.S. Bach, allerdings auf dem Solo-Saxophon gespielt, sei ihr der Gedanke gekommen, dies sei eine musikalische Beschreibung einer Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg mit einer glücklichen Ankunft in Santiago de Compostela.

 

 

Quellen:
Pressemitteilung der Diözese Rottenburg-Stuttgart vom 19.01.2017
Charts des Vortrags von Dr. Kurrat
Eigene Notizen
Fotos + Text:
Ulrich Deinhardt (Kirchliche Dienste Flughafen und Messe Stuttgart)

 

 

Ausstellungseröffnung

Foto: Melody against Gravity

am 29.01.2016 um 13.15 Uhr

im Forum der Kirchen

zur Ausstellung mit Heidi Frank

vom 29.01. - 30.06.2016

zum Thema: Handarbeit.er

 

mit Melody against Gravity

Authentisch, ehrlich und ungekünstelt kommt die Musik des sympathischen Trios um Songwriterin Heidi Frank daher.
Heidi, Ela und Marcel tragen nicht dick auf sondern spielen sich mit erfrischender Natürlichkeit in die Ohren und
Herzen ihrer Zuhörer. Die Stimmen der beiden Sängerinnen verschmelzen dabei zu einem wundersamen Ganzen
und werden von Vollblutmusiker Marcel Engler an der Trompete und an zahlreichen anderen Instrumenten garniert.
2012 erschien die erste Live-CD mit Bandbesetzung. In den letzten 5 Jahren konnte man 'Melody against Gravity'
u.a. auf dem Freakstock, der LIFT-Livenacht in Stuttgart oder als Support für Samuel Harfst,
Sarah Brendel, Florian Ostertag  & andere Künstler sowie in diversen Clubs und Cafés von Beilstein bis Berlin hören.
Weitere Infos & Hörproben: www.facebook.com/MelodyAgainstGravity 

Präsenz auf der CMT

Foto: M. Heubach - Kirchen-Stand in Halle 6

Gemeinsamer Stand der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Rahmen
der Freizeit-, Motor- und Tourismusmesse CMT in
Halle 6/B30 und
Halle 9/B66 (nur am 16. und 17.01.2016)

Plan zum Herunterladen (2,7 MB)

Pilgerwege

Jakobsweg- & Martinuspilger-Wegzeichen

Informationen von Fachleuten zu Jakobs- und Martinuswegen im Forum der Kirchen: täglich Bildpräsentationen ab 10.00, 13.00 und 15.30 - 18.00 Uhr
mit Hans-Jörg Bahmüller, Winnenden u.a.

Am Samstag, 16.01., und Sonntag, 17.01., von 14.00 - 15.00 Uhr:
Deutsche Jakobswege - Pilgern vor der Haustür mit Beate Steger
im Multivisionsraum in Halle 9, siehe auch Fahrrad- und ErlebnisReisen. 
 
Nähere und detailliertere Informationen zum Herunterladen:
Pilgerwege - Informationen zu Veranstaltungen im Forum der Kirchen (204 kB)
Fahrrad- und ErlebnisReisen - Programm für den 16. und 17.01.2016 (1.17 MB)

Evangelischer Sonntag auf der CMT

Am 24.01.2016 von 10:00 - 11:45 Uhr auf der CMT in Halle 6 auf der SWR-Bühne.
Zum Thema: In Kommunikation mit den Menschen.
Mit dem Bläserteam des Evangelischen Jugendwerkes i.W. und FOR ME AND MY SONS, Pfarrer Dan Peter (Kirchenrat), Pfarrerin Christiane Kohler-Weiß (Reformationsbeauftragte), Michael Kaminski (Dipl.-Religionspädagoge und Pilgerbegleiter), Rundfunkpfarrer Andreas Koch - Moderation: Matthias Huttner vom SWR.
Weitere Infos

SWR-Bühne am Sonntagmorgen - FOR ME AND MY SONS - Bläserteam

Empfang der Kirchen am 21.01.2016 auf der CMT Stuttgart

Das Schwerpunktthema des gemeinsamen Empfangs der beiden christlichen Kirchen in Württemberg auf der CMT 2016 hieß: „Geh mit Gott - Pilgern in Baden-Württemberg“.

 

  

 

 

 

 

Musikalisch begleitet wurde der Empfang vom Chor des Musischen Internats Martinihaus in Rottenburg unter Leitung von Gabriele Rehfeldt.

Stefanie Wahle-Hohloch, Hauptabteilung IV Pastorale Konzeption der Diözese Rottenburg-Stuttgart, führte durch den Empfang und begrüßte zunächst die Teinehmerinnen und Teilnehmer, die drei Redner, die zahlreichen Ehrengäste und nicht zuletzt den Chor.

Bischof Dr. Gebhard Fürst, Diözese Rottenburg-Stuttgart, hielt eine launige Ansprache, die er mit einem Wortspiel um die Aussage „Geh mit Gott“ begann. Viele ergänzten diese Worte spontan mit „aber geh!“, gemeint sei aber der Segenswunsch, Gott möge den Aufbrechenden auf seinem Weg begleiten, schützen und Heil bringen.
Der Bischof bekräftigte, dass beim Pilgern etwas in Bewegung komme. „Gelebte Wegspiritualität hilft dem Pilgernden, aus statischen Denkmustern auszubrechen“, sagte er bei seiner Ansprache. Er verwies auf die Pilgerschaft, die ihren Ursprung, ihre Mitte und ihr Ziel in Jesus Christus habe, der über sich selbst sage: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6)“.
Heutzutage machten sich immer mehr Menschen auf zum Pilgern, nicht zum Wandern. Viele wählten dazu den populären Jacobsweg. Die Diözese feiere jedoch in diesem Jahr den Martinsweg, denn 2016 sei das Martinsjahr. Es werde des 1.700. Geburtstages dieses Heiligen, des Bischofs von Tours (Frankreich), gedacht, der besonders wegen seines Mantelteilens mit einem Bettler verehrt wird. Martin von Tours kann aber auch die Gründung des christlichen Abendlandes mit zugeschrieben werden.
Der Bischof kam auch auf Jacques Delors, den Präsidenten der EG-Kommission (1985-1995) zu sprechen, der forderte: „Europa braucht eine Seele!“ 2005 habe der Europäische Rat den Martinusweg als europäischen Kulturweg beschlossen. Dieser Weg führe über 1.200 km vom Geburtsort Martins in Szombathely (Ungarn) nach Tours. Dabei würden nicht nur Kirchen und Klöster besucht, sondern auch Orte der Barmherzigkeit wie Kleiderkammern und Unterkünfte. Der Bischof lud dazu ein, ihn im Mai auf der Martinswallfahrt nach Tours oder Weihbischof Dr. Johannes Kreidler im Oktober auf der Wallfahrt nach Szombathely zu begleiten.

Oberkirchenrat Prof. Dr. Ulrich Heckel, Evangelische Landeskirche in Württemberg, stellte eingangs seines Grußwortes die Frage: „Pilgern auf Evangelisch - geht das?“. Natürlich ginge das - auch ohne Klöster und berühmte Kirchen. Letztlich sei das ganze Leben ein Pilgerweg, schließlich nehme der Pilger auf seinem Weg einen Impuls für sein eigenes Leben mit. Pilgern sei mehr als Wandern. Es sei Wandern mit Sinn. Man finde dabei zu sich selbst, zu anderen und vor allem zu Gott.

Der Oberkirchenrat berichtete über eine neu eingerichtete Arbeitsgemeinschaft der Landeskirche, die weitere Klosterorte wie Bebenhausen und Blaubeuren in den Blick nehme. Es gäbe sogar in Deutschland Lutherpilgerwege. Und zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 würden begleitende Materialien für einen Klosterpilgerweg fertiggestellt.

Honorarprofessor Dr. Christian Antz, der „Slow Tourism“ an der Fachhochschule Westküste in Heide lehrt, warnte in seinem Vortag „Pilgern und Wandern – Kirche und Tourismus auf dem Weg einer gemeinsamen Gastgeberschaft“ davor, sich das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen zu lassen: „Die Kirchen sind Inhaber des christlichen Originals. Aber wenn die Kirchen mit offenem Mund nur zuschauen, wie die Pilger als eine andere Art der Gemeindekirche an ihnen vorbeiziehen, werden Dritte kirchenferne Angebote für die Suchenden entwickeln.“
Professor Antz untermauerte diese Aussagen seinem mit Charts hinterlegten Vortrag, den er in vier Abschnitte gliederte.

Was bedeutet spirituelles Reisen im 21. Jahrhundert?
Spiritueller Tourismus ist ein Querschnittsthema im Dualismus von Kirche/Welt, Geist/Materie und Religion/Wirtschaft. Er sei eine Reise ins Ich und/oder eine Reise an die Grenzen seiner selbst.

Wie sieht der gesellschaftliche Rahmen für Kirche und Tourismus aus?
Aufgrund fundamentaler Krisen (Klima, Landwirtschaft, Gesundheit, Wirtschaft und Ethik) bestehe erstens ein inneres Vakuum. Daraus entstünde zweitens eine Sinnsuche, die drittens durch eine wachsende Kirchenabstinenz befördert werde, was wiederum viertens zu einer Urlaubsspiritualität führe, die sich an den Urlaubsinhalten verdeutliche.

Wie und wo entwickelt sich ein Reisemarkt der Suche nach Spiritualität?
Von Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute hat sich der Urlaub von einer Erholungs- zu einer Sinnorientierung entwickelt. Der klassische spirituelle Tourismusmarkt (Kirchen- und Klosterbesichtigung, Pilgerwege, Urlaub im Kloster, Pilgerreisen, Besuch religiös-historischer Stätten) entwickele sich fort zu einer postmodernen Religiosität, in der Religion zur Spiritualität transformiert werde und die religiöse Selbstbestimmung zunehmend an Gewicht gewänne.

Wie und wo entwickelt sich das Pilgern im Reisemarkt der Spiritualität weiter?
Es werde keine scharfen Trennlinien mehr zwischen Populärkultur und Religion bzw. Konsum und Pilgerfahrt geben, die Reisemotive vermischten sich aus Pilger-, Kultur-, Natur- und Aktivreise.

Zusammengefasst stabilisiere sich gerade in Europa der Trend zum spirituellen Wandern als touristischer Wachstumsmarkt.
„Der Luxus von morgen wird die Einfachheit sein – und damit auch das Pilgern."

Ursula Binder stellte kurz die beiden Großen Diözesanwallfahrten nach Tours (17.-21. Mai 2016) und Szombathely (1.-6.Oktober 2016) auf dem Martinusweg vor.
Karl-Heinz Jaworski, Evangelische Landeskirche in Württemberg -Kirche in Freizeit und Tourismus-, sprach die Schlussworte, bevor sich die drei Redner gemeinsam mit dem Chor zum Gruppenfoto aufstellten.

Anschließend statteten sie dem Info-Stand der Kirchen in Halle 6 (Stand 6 B 30) einen Besuch ab. Dort konnten sich Besucherinnen und Besucher über Urlaubs- und Freizeitangebote für Erwachsene, Familien und Alleinerziehende sowie über Exerzitien- und Einkehrhäuser informieren. Auch Jugendwerke, Bildungseinrichtungen und kirchliche Reiseveranstalter warben dort für ihre Angebote.

Quellen:
·      Pressemitteilung der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg vom 21. Januar 2016 (http://www.drs.de/service/presse/a-empfang-der-kirchen-auf-der-cmt-00005814.html)
·      Charts des Vortrags von Prof. Dr. Antz
·      eigene Notizen und Fotos (Ulrich Deinhardt, Kirchliche Dienste Flughafen und Messe Stuttgart)

 

 

Frühschoppen am Sonntag auf der CMT

Am 17.01.2016, 10:00 - 11:45 Uhr auf der CMT in Halle 6 auf der SWR-Bühne.
Mit dem Chor „notabene“ und der Trommelgruppe „taktlos“. Gesprächsbeiträge von Prälat Werner Redies, Pilger auf dem Martinusweg, Dr. Georg Röwekamp, Biblische Reisen, Peter Müller, Frau Gyöngyi Derksen, ungarische Pilgerin, Egon Oehler, Oberschwäbischer Pilgerweg. Moderation Wolfgang Müller.
Gesprächsthemen: Martinuns-Pilgerweg in Europa und Beweggründe, zu pilgern.
Weitere Infos

Chor „notabene“ und der Trommelgruppe „taktlos“

Rückblick auf die MEDIZIN und TheraPro

Vernissage am 30. Januar 2015 anlässlich der MEDIZIN-Messe

Albrecht Kümmerer

Die Vernissage hatte die Frage: „Kranker Glaube – wie geht das?“ zum Thema.

Nach einführenden Worten von Diakon Martin Heubach im Forum der Kirchen schilderte Albrecht Kümmerer, Allgemeinmediziner aus Obersontheim, das Krankheitsbild einer rund 45-jährigen Frau. Diese klage über massive Schlafstörungen mit Albträumen, Konzentrations- und Leistungsschwäche, Muskelschmerzen, Antriebslosigkeit und Erschöpfung. Zeitweise träten panische Ängste, zum Beispiel in Aufzügen, bei ihr auf. Sie fühle sich wie eine alte Frau, wie tot.
Organische Erkrankungen konnten bei ihr jedoch ausgeschlossen werden.Trotzdem blieben bei ihr ein ständig schlechtes Gewissen bis hin zu Depressionen.
Hilfe brachte eine Psychotherapie, die die tatsächlichen Ursachen ihres Krankheitsbildes zutage brachten. Sie sei in einem engen, strengen Elternhaus aufgewachsen. Der Besuch von Tanzveranstaltungen und die Mitgliedschaft in einem Sportverein seien ihr verboten worden. Das ewige Leben, so ihre Erziehung, bedingte die Einhaltung aller religiösen Regeln. Sie könne Gott nicht als den liebenden Vater erkennen, die Glaubensregeln widersprächen ihrer inneren Wahrnehmung.

Hartmut Schott

Der Künstler Hartmut Schott, auch psychologischer Berater und Seelsorger mit 15-jähriger Erfahrung, aus Wallhausen begann seinen Vortrag in überraschender Weise. Er schilderte ausführlich sein morgendliches Frühstück und das seiner Frau, das sich von seinem deutlich unterscheide. Er ergänzte: „Jedem von uns schmeckt das, aber keiner von uns beiden käme auf die Idee, den anderen von seiner Art des Frühstücks zu überzeugen.“
Jeder habe sein individuelles Frühstück, und genauso müsse jede(r) seinen Glauben individuell leben können. Allzu oft seien auch heute noch das „Du musst“ und das „Du sollst nicht“ Bestandteile der häuslichen, vermeintlich frommen Erziehung.
Das grenze an Nötigung und erfülle beinahe einen Straftatbestand. Es dürfe nicht sein, dass Menschen in religiöse oder pseudo-religiöser Handlungen und Überzeugungen gedrängt werden. Das dürfe nicht toleriert werden. Jedem Menschen stünde es zu, die Weite, die Freiheit und den Genuss des christlichen Glaubens ohne krankmachende Konzepte kennen zu lernen und zu leben.

Bilder: Ulrich Deinhardt und Sr. Simone - Hesse und Degas, von Hartmut Schott neu interpretiert, Martin Heubach bei der Begrüßung

In seinen Bildern bringt Hartmut Schott dies zum Ausdruck. Stellvertretend für alle ausgestellten Werke sei das mosaikartig aufgelöste Bild von Hermann Hesse, deutschsprachige Dichter (1877–1962), erwähnt, auf das grafisch die Beschreibung Hesses zu seiner Erziehung projiziert ist: „Es war das pietistisch-christliche Prinzip, dass des Menschen Wille von Natur und Grund aus böse sei, und daß dieser Wille also erst gebrochen werden müsse, ehe der Mensch in Gottes Liebe und in der christlichen Gemeinschaft das Heil erlangen könne.“
Ein weiteres Bild zeigt eine bekannte Bordelldarstellung von Edgar Degas, französischer Impressionist (1834–1917), auf das ein Satz aus dem Matthäus-Evangelium (21,28) aufgesetzt ist.

 

Musikalisch begleitet wurde die Vernissage vom Ensemble Esperanza, die mit Kirchenmusik der Renaissance begann und mit einem fröhlichen Lied den offiziellen Teil der Vernissage beendete. Martin Heubach kommentierte dies mit den Worten: „Von schwer bis fröhlich leicht.“

Bild: Ulrich Deinhardt - Bilder der Ausstellung im Forum der Kirchen

Rückblick auf die CMT 2015

Empfang der Kirchen am 22. Januar 2015 während der CMT auf der Messe Stuttgart

Während der CMT ist beim Empfang der Kirchen das Reisen selbstverständlich ein wesentliches Thema.
2017 jährt sich der Beginn der Reformation zum 500. Mal.
24 Orte zwischen Taubertal und Bodensee, die vor 500 Jahren Zentren der theologischen Debatten und Umbrüche waren, erzählen von den Spuren und Ereignissen der Reformation, die noch heute in Baden-Württemberg sichtbar und lebendig sind.
Das hierzu neu erschienene Magazin „Spuren – Orte der Reformation in Baden-Württemberg“ wurde während des Empfangs vorgestellt, und der Internet-Auftritt wurde gestartet. Präsentiert wurde auch die Kirchen-App der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). 
In ihren launigen Grußworten gingen alle Redner hierauf ein.

Landesbischof Frank Otfried July von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg freute sich, dass CMT und die Kirche nunmehr eine 40-jährige Tradition der Zusammenarbeit pflegten und er verwies auf die spezielle Ausprägung der Reformation in Deutschlands Süden: „Gerade in Baden-Württemberg hat die Reformation manch ganz besondere Kurve genommen. Ich wünsche mir, dass viele Menschen sich von den Orten, noch besser: an den Orten der Reformation in unseren Bundesland inspirieren lassen und darüber nachdenken, wo in unserer Gesellschaft Reformationsbedarf besteht.“

Ministerialrat Wolfgang Baur vom Landesministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz verwies auf die besondere Bedeutung des Bundeslandes für den Tourismus, auch wegen seiner Natur und seiner Kultur: „Über 28.000 Arbeitsplätze hat dieser Wirtschaftszweig geschaffen, das sind mehr Arbeitsplätze wie in der gesamten Automobilindustrie des Landes“. Das Bundesland sei deshalb nicht nur bei seinen Bürgerinnen und Bürgern sehr beliebt. Mit Blick auf die Flüchtlingsströme nach Europa ergänzte er, das Bundesland  sei auch für diese Mitmenschen eine gute neue Heimat.

Auf die gerade auch 500 Jahre nach Beginn der Reformation immer wichtiger werdende Rolle der Ökumene verwies Domkapitular Dr. Heinz Detlef Stäps von der Diözese Rottenburg-Stuttgart: „In den letzten 50 Jahren hat sich bei der Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen sehr viel getan, weit mehr als in den Jahrhunderten zuvor seit der Reformation." Mit Blick auf die CMT ergänzte er frei nach Kant, dass Reisen bilde und helfe, eigene Vorurteile abzubauen. Reisende lernten neue Kulturen schätzen, sie würden dazu zwar Mauern nicht niederreißen, aber immerhin übersteigen.

Außer im neu erschienenen Magazin und im Internet wurden die zusammengetragenen Informationen und Fakten auch über eine neue Kirchen-App multimedial aufbereitet, wie Dr. Matthias Kreplin von der Evangelischen Landeskirche in Baden hervorhob: „Wer mit der neuen App eine unserer Kirchen besucht, erhält einen echten Mehrwert. Historische Ansichten, spirituelle Impulse und vor allem Informationen zu den einzelnen Stationen im Kirchenraum machen das eigene Smartphone zu einem interaktiven Kirchenführer.“ Außerdem ermögliche die App Einblicke in ansonsten nicht zugängliche Räume, wie etwa den Dachstuhl, Glockenturm oder die Krypta. Über das Wissenswerte hinaus werde den Nutzern auch auf einer geistlichen Ebene aufgezeigt, was das Gesehene für das eigene Leben bedeuten kann.

Geschäftsführer Andreas Braun, Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW), erläuterte ausführlich das neu erschienene Magazin. Es sei die erste Kooperation seiner Organisation und den christlichen Kirchen. Ausführliche Hintergründe und Informationen zu den 24 wichtigsten Orten der Reformation in Baden-Württemberg seien nachzulesen - auf der linken Heftseite der religiöse Aspekt, auf der rechten vor allem der touristische. Neben einführenden Beiträgen zu Ursachen und Verlauf der Reformation in Deutschlands Süden fäinden sich darin verschiedene Anekdoten und Kuriositäten wie etwa die evangelischen Wurzeln des Schwarzwälder Bollenhuts. Den Hauptteil bildeten 24 Kapitel zu Orten in Baden-Württemberg und angrenzenden Regionen – von Bad Urach bis Wertheim, von Basel bis Waldshut.

Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum, hielt abschließend einen viel beachteten Vortag zum Thema „Herausforderung Reformation“, der im Folgenden mit seinen Kernaussagen wiedergegeben wird.

Margot Käßmann betonte dabei die Aktualität der Geschehnisse und Veränderungen der Reformation vor fast 500 Jahren für unsere heutige Zeit: „1517 war Martin Luther – wie wir heute sagen würden – ein „Reformkatholik. Er wollte seine eigene Kirche reformieren und nicht spalten. Seine Thesen zum Ablasshandel könnten die meisten römischen Katholiken im 21. Jahrhundert abzeichnen. Sein Freiheitsbegriff hat in der Weiterentwicklung zu mancher Freiheit heute geführt.“

Sie stellte sich und den Zuhörerinnen und Zuhörern zunächst die Fragen, ob die Feier eines Reformationsjubiläums überhaupt angemessen sei, ob  denn eine Spaltung gefeiert werden könne, ob wir uns nicht die Schattenseiten der Reformation bewusst machen müssten, etwa Luthers Antijudaismus. Weiter: ob eine Kirche, die mit zurückgehenden Mitgliedszahlen, Spar- und Strukturdebatten zu kämpfen habe, überhaupt feiern solle, ob es einen „Event“ geben dürfe, wo eher wissenschaftliche Debatten angesagt seien.

Margot Käßmann machte jedoch deutlich, es gäbe 10 triftige Gründe, dieses Jubiläum zu feiern:

1. Kritischer Rückblick
Es wird wichtig sein, einen kritischen Rückblick zu wagen und Reformation als Gesamtgeschehen wahrzunehmen.
Hinterher soll es heißen: Es wurde versucht, Öffentlichkeit für den christlichen Glauben zu gewinnen. Hier wurde sich kritisch und gestaltend mit dem eigenen Erbe auseinandergesetzt.

2. Ökumene
2017 wird ein Reformationsjubiläum mit ökumenischer Dimension sein.
Bei aller Differenz und dem jeweils eigenen Profil verbindet uns mehr als uns trennt. In unserer säkularisierten Gesellschaft ist ein gemeinsames Zeugnis der Christinnen und Christen von großem Gewicht. Je stärker wir gemeinsam auftreten, desto eher werden wir gehört.

3. Dialog der Religionen
Zum Reformationsjubiläum 2017 muss der Dialog der Religionen sich als Anliegen des Protestantismus erweisen.
Wir brauchen diesen Dialog und er muss theologisch gegründet sein. Das Versagen der Christen gegenüber den Juden in der Zeit des Nationalsozialismus hat eine Lerngeschichte eingeleitet. Gleichzeitig sind Christen in aller Welt die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft.

4. Die Sprachfähigkeit des Glaubens in säkularer Zeit
In einer säkularen Gesellschaft ist es für die Kirchen wichtig, an die Sprachkraft als reformatorisches Erbe anzuknüpfen, um Glauben zu vermitteln.
Viele Menschen haben sich abgewendet, haben keinerlei Bezug mehr zu Religion. Ein immenser Glaubens- und auch Traditionsverlust ist im Land der Reformation zu verzeichnen. Diese Herausforderung sollten die Kirchen der Reformation offensiv annehmen. Es ist entscheidend, eine Sprache zu finden, die den Glauben in die heutige Zeit vermittelt.

5. Frauen
Beim Jubiläum 2017 ist deutlich: Kennzeichen der evangelischen Kirche ist, dass aus theologischer Überzeugung Frauen Pfarrerin sein können und auch Bischöfin.
Es ist das erste Jubiläum, bei dem die große Mehrheit der evangelischen Kirchen in aller Welt Frauen im ordinierten Amt und auch als Bischöfinnen akzeptieren. Für Martin Luther wurde seinerzeit immer klarer: Die Taufe ist das zentrale Ereignis und Sakrament. Von daher hat Luther auch den Respekt gegenüber Frauen entwickelt. Sie sind getauft und damit stehen sie auf gleicher Stufe wie Männer.

6. Überwinden von Spaltung
Das Reformationsjubiläum 2017 kann die Leuenberger Konkordie als gelebtes Modell zur Überwindung von Spaltung hervorheben.
Die reformatorische Bewegung selbst hat sich gespalten und immer wieder gab es im Protestantismus Abspaltungen. In Europa setzte die Leuenberger Konkordie von 1973 ein starkes Signal, erstens dass und zweitens wie eine solche Spaltung überwunden werden kann. Trotz aller Differenzen können sich Reformierte, Lutheraner und Unierte auf der Grundlage der Konkordie gegenseitig als Kirchen anerkennen und miteinander Abendmahl feiern.

7. Bildung
Beim Reformationsjubiläum 2017 muss deutlich sein: Den Kirchen der Reformation geht es um gebildeten Glauben und der schließt auch den historisch-kritischen Blick auf den biblischen Text ein.
Die Voraussetzung für einen mündigen Glauben war für Luther, dass jede und jeder selbst die Bibel lesen konnte und so gebildet war, dass er den Kleinen Katechismus nicht nur auswendig kannte, sondern auch weitergeben konnte und damit sprachfähig im Glauben war. Grundlage dafür war eine Bildung für alle und nicht nur für wenige, die es sich leisten konnten. Es war und bleibt reformatorisches Anliegen: Denken, Reflektieren, Nachdenken, Verstehen können, Fragen dürfen.
Fundamentalismus – ob jüdischer, christlicher, islamischer oder hinduistischer Prägung – mag Bildung und Aufklärung nicht.

8. Freiheit
Das Reformationsjubiläum 2017 muss auch die politische Dimension des reformatorischen Freiheitsbegriffes aufzeigen.
2017 wird das erste Reformationsjubiläum sein, bei dem es nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten Staaten der Welt eine klare Trennung von Kirche und Staat gibt und ein klares Bekenntnis zu Verfassung und Menschenrechten. Es ist gut, dass Staat und Religion getrennt sind – für beide Seiten! Eine Art „Gottesstaat“ oder auch „Diktat der Religion“ fördert die Freiheit nicht. Wir können heute in einer freien Gesellschaft leben, in der Menschen Mitglied einer Religionsgemeinschaft sein können oder nicht. Das entspricht der „Freiheit eines Christenmenschen“.
Nach den Terroranschlägen in Paris, ergänzte Margot Käßmann, seien wir stolz, dass heute in Europa Gewalt nicht mit Gewalt, sondern mit Demonstrationen für die Freiheit beantwortet werde.

9. Rechtfertigung
Das Reformationsjubiläum 2017 wird die Herausforderungen der Leistungs- und Erfolgsgesellschaft deutlich formulieren können.
Luthers Frage nach dem gnädigen Gott verstehen viele Menschen heute nicht auf Anhieb. Aber die Frage treibt sie um, ob ihr Leben Sinn macht. Was, wenn ich nicht mithalten kann, weil ich keinen Arbeitsplatz habe, weil ich nicht genug verdiene, weil ich nicht gut genug aussehe?
Drei Begriffe können Luthers Erfahrung in die heutige Zeit übersetzen:
Liebe: Viele Menschen dürfen erleben, was es bedeutet, geliebt zu werden. Eine wunderbare Erfahrung. Jemand liebt dich; trotz deiner Schwächen, obwohl du Fehler machst.
Anerkennung: Wie wichtig Anerkennung im Leben ist, erfährt jeder Mensch. Von anderen respektiert zu werden, ist ein Bedürfnis.
Würdigung: Dass niemand würdigt, was man leistet, ist eine alltägliche Erfahrung. Gewürdigt werden heißt, erleben zu dürfen, dass einem Menschen von anderen Respekt zugesprochen wird.
Der gnädige Gott liebt, anerkennt und würdigt den Menschen. Gott über alle Dinge zu lieben und vor ihm das eigene Leben zu verantworten, führt zu tätiger Nächstenliebe im Alltag, mit Blick auf andere, aber auch mit Liebe zu sich selbst. Dies begründet eine Gemeinschaft („der Heiligen“), in der gegenseitiger Respekt, Anerkennung und Empathie gelebt werden. Die Würde des Einzelnen wird auch durch eigenes Scheitern nicht in Frage gestellt. Das kann gerade in einer Zeit entscheidend sein, die -geprägt von einer Konsum- und Ablenkungskultur- oberflächlich zu werden scheint. 

10. Globalisierung
Das Reformationsjubiläum 2017 ist in einer globalisierten Perspektive zu sehen.
Denn wir leben in einer zunehmend globalisierten Welt. Das war durchaus auch im 16. Jahrhundert schon der Fall, aber vorrangig auf Europa und seine Kolonien ausgerichtet. Und doch war die Reformation ein europäisches Ereignis, das bald internationale Ausmaße annahm.

Quellenangabe:

  • Manuskript des Vortrags „Herausforderung Reformation“ von Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann
  • Pressemitteilung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg vom 22. Januar 2015 (http://www.elk-wue.de/aktuell/detailansicht-pressemitteilung/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=60517&tx_ttnews%5BbackPid%5D=98&no_cache=1)
  • Stuttgarter Zeitung vom 23. Januar 2015

 

 

 

Bild: Ulrich Deinhardt - Atempause

Bilder: Wolfgang Reitz - CMT-40-Jahre-Stand-Party in Halle 6

Bilder: Martin Heubach - Bühne in Halle 9: Jakobspilger

Bilder: Martin Heubach - Konzert des Polizei-Orchesters am 1. CMT-Sonntag auf der Atriumsbühne-Bühne

Bilder: Martin Heubach - SWR-Bühne am 2. Sonntag: Entspannung und Erholung suchen, auf der Suche nach dem Sinn